THEORIE DES KÄMPFERS – Der Nahkampf: eine ewige Wiederkehr oder eine bevorstehende Revolution?
Am 18. August 2008 werden 10 französische Soldaten getötet und 21 weitere in den afghanischen Bergen verwundet. Niemand hatte den von den Taliban und ihren lokalen Verbündeten gelegten Hinterhalt kommen sehen. Dieses tragische Ereignis ist der Ausgangspunkt des neuen Werkes von Michel Goya, das mit der Schilderung dieser Kämpfe im Uzbin-Tal und anschließend mit der Analyse ihrer Folgen beginnt.
Unmittelbar nach den Ereignissen entsteht ein starker Widerspruch zwischen dem nationalen Erschütterung durch die Vernichtung eines französischen Infanteriezuges in diesem Hinterhalt und dem Wenigen, was unternommen worden war, um dieses Drama zu verhindern. Nahkämpfer – jene, deren Beruf es ist, im unmittelbaren Kontakt mit dem Feind zu töten oder getötet zu werden, in ihrer überwältigenden Mehrheit Infanteristen und Spezialkräfte – sind für den Sieg der Armeen unverzichtbar. Wenn ihr Tod ein nationales Ereignis auslöst, müssen sie zu Recht nationale Priorität genießen, zumal sie in Frankreich noch nie so wenige waren. In der Praxis war das nie der Fall: Die Bedeutung der Infanteristen wird erst entdeckt, wenn sie sterben.
Michel Goya beschreibt zunächst, was ein moderner Nahkämpfer seit dem Industriezeitalter ist und wie sich sein Beruf von der Revolution der Handfeuerwaffen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat. Für diese Krieger hat sich seitdem wenig verändert, während andere militärische Technologien und andere Arten der Kriegsführung eine große Entwicklung erfahren haben. Der 2008 von mit alten sowjetischen Waffen ausgerüsteten afghanischen Rebellen vernichtete französische Infanteriezug hätte ebenso gut von einer deutschen Infanteriekompanie des Jahres 1944 vernichtet werden können.
Schließlich beschreibt der Autor die aktuellen Probleme westlicher Nahkämpfer, während ihre direkten Gegner, derzeit oft irreguläre Kräfte, noch nie so zahlreich waren. Er untersucht auch, wie eine neue Revolution in der Kampfweise eingeleitet werden kann.
Eine starke und notwendige ikonoklastische Reflexion eines Historikers und Strategen, in der Nachfolge seines Referenzwerkes Sous le feu. La mort comme hypothèse de travail.
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