General Olry – Sieger in den Alpen – Juni 1940
Als Polytechniker und Artillerist gehört René Olry (1880–1944) zu jener Kategorie von Soldaten, die gleichermaßen die Bewunderung ihrer Vorgesetzten, ihrer Kameraden und ihrer Untergebenen auf sich ziehen. Ein Mensch mit Charakter, der außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten mit unerschütterlichem Willen verbindet.
Als Spezialist für Gebirgsoperationen kommandierte er ab 1935 die 29. alpine Infanteriedivision in Nizza. Bei der Mobilmachung im September 1939 übernahm er das Kommando über das XV. Armeekorps, das mit der Verteidigung der Alpes-Maritimes beauftragt war, bevor er Ende Oktober 1939 Oberbefehlshaber der Alpenarmee wurde. Auch wenn Italien seine Nichtkriegsführung erklärte, hinderte das Olry nicht daran, sich auf den Konflikt vorzubereiten: Er schulte seine Einheiten mit Strenge und Beharrlichkeit, entwickelte Szenarien und erarbeitete operative Pläne.
Als Mussolini Frankreich schließlich am 10. Juni 1940 den Krieg erklärte, war die Alpenarmee trotz sehr begrenzter Mittel kampfbereit. In den folgenden 15 Tagen versuchten die Italiener, denen sich ab dem 21. Juni die Deutschen anschlossen, die französische Verteidigung zu durchbrechen – ohne Erfolg.
Warum und wie konnte General Olry diese Alpenschlacht gewinnen, während im selben Moment alle anderen französischen Armeen zusammenbrachen? Die eingehende Betrachtung seines überaus reichen Werdegangs und seiner Persönlichkeit erlaubt es, dies zu verstehen, und führt zu Erkenntnissen, die noch heute Gültigkeit haben.
Max Schiavon, Doktor der Geschichte, leitete die Forschungsabteilung des Service historique de la Défense. Als Spezialist für Zeitgeschichte, insbesondere für militärische Eliten, hat er 23 Werke veröffentlicht und sechs Literaturpreise erhalten.
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