DAS NETZWERK - Die letzten Geheimnisse des Widerstands
Im Alter von 100 Jahren stellt Edgar Morin seinem Biografen eine letzte Bitte: Er soll das Widerstandsnetzwerk Charette untersuchen, dem er selbst angehörte, ebenso wie Mitterrand, Jankélévitch, Clara Malraux und viele andere. Ein völlig vergessenes und dennoch entscheidendes Netzwerk in der Geschichte des Widerstands – und von geradezu romanhafter Qualität. Das Netzwerk Charrette ist ein außergewöhnliches Widerstandsnetzwerk, gaullistisch-kommunistisch, deutsch-französisch, erfinderisch und rigoros, verstreut und geeint, gegründet ab 1941 von einer Handvoll Kriegsgefangener im Stalag XI-B von Fallingbostel.
An seiner Spitze stand Michel Cailliau, genannt Charette, nach dem vendéischen Helden benannt, der Neffe von Charles de Gaulle, Sohn der ältesten Schwester von Onkel Charles, Marie-Agnès, der verschlossensten dieser Familie. Das Netzwerk Charrette, genauer gesagt die Mouvement de Résistance des Prisonniers de Guerre et des Déportés (MRPGD), war eine der bedeutendsten Widerstandsorganisationen in jenen frühen unruhigen Zeiten.
Ab 1942 trat der junge Edgar Nahoum, der spätere Morin, dem Netzwerk von Michel Cailliau und dessen anderen Gründern Philippe Dechartre, André Ulmann, Charles Bonnet und Pierre Le Moign' bei. Edgar Nahoum weiß es noch nicht, aber durch die Bewährungsprobe des Netzwerks Charette wird er endgültig zu Edgar Morin. Wenn dieses Widerstandsnetzwerk von Historikern erwähnt wird, dann eher wie eine Randnotiz; in der Tat ist es wenig bekannt, wenn nicht sogar vernachlässigt oder gar völlig vergessen.
Der Autor begab sich also auf die Suche nach glänzenden Phantomen in tiefer Nacht.
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